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Kein Schultersieg
im Frauenfinale Jan-31-98
(GERMAN)
Zäh wehrt sich Mauresmo gegen Hingis und die
Siegerin gegen ein Gerücht, das von ihr stammt
Melbourne – Als alles vorüber war, ging es noch
einmal um das, was die australische Zeitung Age
„Shouldergate“ nannte. Amélie Mauresmo,
die Aktrice mit dem breiten Kreuz, sei „ein halber
Mann“. Das hatte Martina Hingis gesagt, Nummer
zwei der Weltrangliste. Und Lindsay Davenport,
die Nummer eins: Sie „haut zu wie ein Kerl“.
Natürlich hat Mauresmo, 19, ihren Kolleginnen
daraufhin das eine oder andere erzählt. Sie sagte:
„Beide haben mich um Verzeihung gebeten, die Sache
ist erledigt.“ Bestimmt hat auch die Women’s Tennis
Association (WTA) die Sache nicht auf die leichte
Schulter genommen. Und siehe, Davenport, die Mauresmo
im Halbfinale unterlag, beschuldigte plötzlich
alle Journalisten der Australian Open, ihre Eindrücke
aus dem Zusammenhang gerissen zu haben.
Selbst als eine wortgetreue Übersetzung ihrer
Pressekonferenz gereicht wurde, bestand sie auf
dem abwegigen Standpunkt. Hingis, die Mauresmo
am Samstag 6:2, 6:3 besiegte und sich im Melbourne
Park zum dritten Mal in Folge Trophäe und Stoffkänguruh
sicherte, dementierte. Und gestand nach dem Finale:
„Es war ein Scherz.“ Ein dummer, wie sie einräumte,
zu entschuldigen gebe es trotzdem nichts. Es sei
doch wichtiger, daß man auf dem Platz überzeuge
„und nicht mit Sprüchen“. Hat sie aber !
Warum eigentlich haben so prominente Zeugen wie
Hingis und Davenport Probleme, das Auftreten der
dynamischen Französin sachlich einzuordnen? Vielleicht,
weil die Tennisbranche Schaden genommen hat am
Dopingfall Petr Korda (positiv getestet, nicht
gesperrt)?
Die ungestellte Frage hinter den Muskeln, die
Mauresmo im ärmellosen Shirt gerne zur Schau stellt,
ist doch: Kann ihr athletischer Körper das Resultat
von täglicher Kraftmeierei sein oder nicht. Er
kann natürlich, und darüber sollten die Manager
der erdumspannenden Tour nachdenken.
„Das sehr nette Mädchen“ (Davenport) ist in
erster Linie ein Opfer ihrer zögerlichen Betrugsaufklärung
geworden.
Und nicht der Medien, die ja nicht einmal verantwortlich
dafür waren, daß sich Mauresmo unbedingt mit der
Lebensgefährtin aus St. Tropez filmen lassen wollte.
Zu kurz gekommen ist dabei ihre außerordentliche
Leistung, sind ihre Erfolge über Favoriten wie
Schnyder (Schweiz), Van Roost (Belgien) und Davenport.
Sie kam als Ungesetzte ins Finale, was seit 1968
nur sieben anderen glückte.
Damit zum Sport. Die letzte Partie im Tableau
der Frauen war eine der besten seit Jahren. Das
Resultat täuscht. Nie war die Angelegenheit eindeutig.
Mauresmo wehrte sechs Matchbälle ab, fügte winner
an winner, zu selten nur, als es für sie wichtig
gewesen wäre.
Weder bei ihrem Erfolg über Mary Pierce (1997)
noch dem über Conchita Martinez (1998) mußte sich
Hingis auf dem geliebten Rebound Ace (sie hat
zuhause ein Feld mit diesem Belag) ähnlich anstrengen.
Bei ihr sehen Bewegungen und Schläge immer so
leicht aus.
Größer hätte der Unterschied zur Gegnerin gar
nicht sein können. Mauresmo ist in allem kraftvoll,
doch wer die Rückhand so wie sie die Linie entlang
pfeffert, braucht Talent und Technik. Sie war
als Junior ein Champion in Wimbledon (Gras) und
Paris (Sand). Und wenn sie einmal die Erfahrung
hat, über die Hingis mit 18 schon verfügt, und
wenn sie den Volley lernt, wird sie jede herausfordern.
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